February 21st, 2006
VW wollte 2001 mit einer großartigen und großräumigen Limousine glänzen und wählte ausgerechnet einen schlechten Wagenlenker („Erster Amokfahrer der Welt“) als Namenspatron: Phaeton. Als der Sohn des Sonnengottes Helios den Sonnenwagen lenken durfte, stellte er sich so ungeschickt an, daß Brandspuren die Erde verletzten und Göttervater Zeus zuletzt seinen Blitz gegen Phaeton schleudern mußte. Im Fluß Eridanus kühlte der brennende Leichnam, und die Tränen seiner Schwestern, der Heliaden, über den Tod des Vermessenen wurden zu Bernstein. Und Ovid schrieb in seinen „Metamorphosen“:
„Phaeton ruhet allhier, der des Vaters Wagen gelenket; / Zwar nicht ganz ihn behauptend, erlag er doch großem Bestreben.“
Während der „Berlinale 2006“, den bedeutenden Filmfestspielen, sah man auf Schritt und Tritt das Flaggschiff von VW mit dem Berliner Bären als Logo und dazu folgende übergroße Reklametafeln:
Vor der Neuen Nationalgalerie aber bot sich neulich dieses Bild eines „Phaeton“ von VW:
Wem galt der Anschlag? Einem Filmstern? Der ausgestellten „Melancholie“? Oder dem Konzern, der Arbeitsplätze abschaffen will? Aber vielleicht war es nur ein gewöhnlicher Vergaserbrand! Den löschenden Feuerwehrmännern ruft Ovid anfeuernd zu:
„Reiß aus den Flammen, / Was noch übrig dir ist, und sorge für Heil und Erhaltung.“
Autor: Peter Lipps
Entry Filed under: Pleiten, Pech und Pannen
Kommentieren
Sie müssen sich hier einloggen, um den Beitrag zu kommentieren.
Trackback this post | Subscribe to the comments via RSS Feed